Integration mit Herz: Das Projekt Stadtteileltern im Portrait
Integration mit Herz: Das Projekt Stadtteileltern im Portrait
„Stadtteileltern für Stadtteilfamilien“ ist ein Projekt der Diakonie Pfalz, das neu angekommene Familien in Ludwigshafen mit praktischer, herzlicher Alltags-Hilfe unterstützt – von Behördengängen und Arztterminen über Schulerklärungen bis hin zu emotionaler Unterstützung und Hausaufgabenhilfe. Im Rahmen unserer Aktion „Euer Engagement mit WOW-Faktor“ haben wir Ece Spang und ihre Kollegin und Stadtteil-Mama Islam Mohammed Ali besucht, um mehr über das Projekt zu erfahren.
Ece Spang: Vom Konzept zur großen Familie
Ece Spang leitet das Projekt seit zwei Jahren und hat es von Grund auf aufgebaut: Zuerst Konzeptarbeit, dann Öffentlichkeitsarbeit, heute eine wachsende Struktur mit 26 Ehrenamtlichen – viele Stadtteil-Mamas und drei wertvolle Stadtteil-Papas. Jede*r Ehrenamtliche betreut im Schnitt vier Familien, was rund 100 Haushalte bedeutet – ein enormer Impact durch nebenberufliches Engagement. „Wir helfen alltäglich: zu Behörden, mit Übersetzungen, bei Schulproblemen der Kinder“, erklärt Ece. Besonders stolz ist sie darauf, dass das Projekt kultursensibel und empathisch arbeitet – unabhängig von religiösem Hintergrund, trotz Diakonie-Träger. Ehrenamtliche kennen die Herausforderungen oft selbst: „Sie waren in ähnlichen Situationen und verstehen die Familien wirklich“, betont sie.
Islam Mohammed Ali: Persönliche Brücken bauen
Islam Mohammed Ali (35, aus dem Irak) ist seit fünf Jahren in Ludwigshafen und Mutter einer 8-Jährigen und eines 6-Jährigen. Sie kennt den Weg von null auf hundert aus eigener Erfahrung. In der Corona-Zeit kämpfte sie mit Behördenwegen und kleinen Kindern, lernte Deutsch auf B2-Niveau und fand bei der Diakonie erste Unterstützung – heute gibt sie genau das weiter. Dreimal wöchentlich hilft sie: als Dolmetscherin (Kurdisch, Arabisch), als Brücke zwischen Schule/Eltern und als emotionale Stütze. „Kinder isolieren sich oft, weil sie das System nicht verstehen – Eltern wissen nicht, wie sie helfen sollen“, beschreibt sie typische Probleme. Besonders bei Neuankömmlingen (0–12 Jahre) geht es um Regeln erklären, Freunde finden und Isolation verhindern. „Wir sind keine Bürokraten, sondern Freundinnen und Freunde – manchmal braucht eine Familie nur jemanden, der zuhört“, sagt Islam. Ihre Treffen entstehen flexibel: Ehrenamtliche und Familien verabreden sich selbst, das Projekt vermittelt und hilft, wenn Bedarfe bestehen – aber es herrscht keine Überwachung.
„Wir müssen nicht alles wissen“ erklärt Ece. Die Stadtteileltern arbeiten bewusst selbstständig und dezentral mit den Familien: Nach der Vermittlung durch das Projekt verabreden sich Ehrenamtliche und Familien direkt untereinander, ohne zentrale Terminplanung über Diakonie oder Verwaltung. Viele Kontakte entstehen sogar ganz ohne Projektrahmen – über Nachbarschaften, Facebook-Gruppen oder Bekannte – und laufen dann eigenständig weiter. Das Projekt bleibt absichtlich im Hintergrund und respektiert die Privatsphäre schüchterner Familien.
Das Projekt deckt ein breites Spektrum ab – immer nah am Menschen, flexibel und vertrauensvoll. Im Mittelpunkt steht die praktische Begleitung im Alltag: Unterstützung bei Behördengängen, Arztterminen oder Elternabenden gehört ebenso dazu wie Übersetzungen und konkrete Hilfe für Kinder in Schule und Kindergarten. Darüber hinaus wird gezielte Schul- und Lernhilfe angeboten. Hausaufgabenbetreuung, das verständliche Erklären von Abläufen im Bildungs- und Betreuungssystem sowie Orientierungshilfen für Eltern („Was muss ich als Elternteil tun?“) helfen, Unsicherheiten zu reduzieren und Integration zu stärken. So wird aktiv Isolation entgegengewirkt und ein besseres Ankommen im Alltag ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die emotionale Unterstützung. Oft geht es darum, zuzuhören, Erfahrungen zu teilen, Mut zu machen und neue Kontakte zu ermöglichen. Aus Begegnungen entstehen Freundschaften – das Engagement ist damit weit mehr als nur organisatorische Hilfe oder „Papierkram“. Auch gemeinschaftliche Gruppenangebote und kreative Hobbys schaffen Räume für Austausch und Begegnung. Nähtreffs, gemeinsames Malen oder Kochen – etwa in der Matthäus-Kirche – fördern nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch kulturellen Austausch.
Essen, Tanz und traditionelle Kleidung werden dabei zu verbindenden Elementen zwischen unterschiedlichen Lebenswelten. Besonders wertvoll ist die gelebte Sprachenvielfalt: Türkisch, Arabisch, Griechisch, Russisch, Somali und Kurdisch ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang und schaffen Vertrauen.Getragen wird das Projekt zudem von engen Kooperationen mit dem Jugendamt, der Integrationsabteilung sowie Anlaufstellen wie „Frauentür“ in der Bismarckstraße 71, die dienstags von Rosana Cavallaro und Sarah Müller begleitet wird. Durch diese Zusammenarbeit entsteht ein tragfähiges Netzwerk, das Kompetenzen bündelt, Wege verkürzt und Unterstützung nachhaltig wirksam macht.
Kulturelle Brücken und Integration
Ece und Islam sehen Integration als gegenseitigen Austausch: Bei Veranstaltungen bringen Familien Speisen, Kleidung, Geschichten mit – Somalische Hochzeiten, türkische Tänze oder griechische Traditionen werden lebendig. „Neugier ist der Schlüssel“, sagt Ece über Treffen wie zum Beispiel im Café Asyl. Manche Communities (z. B. in Cafés, Restaurants) werden oft nicht wahrgenommen – das Projekt macht sie sichtbar und verbindet.
Männer halten sich manchmal noch etwas zurück, Frauen organisieren oft die Familie – deshalb sollen mehr Stadtteil-Papas helfen, auch Väter anzusprechen. So entstehen echte Beziehungen, die Isolation lösen und Ludwigshafen bereichern.
Offen für alle – und ein herzliches Willkommen
Das Projekt sucht weiterhin Ehrenamtliche und Unterstützer*innen: „Wir wollen unsere Familie vergrößern“, sagt Ece. Besonders willkommen: Somalisch-Sprechende, Finanzhelfer*innen, Nachbarschaftsnetzwerke – und explizit auch Männer, die sich vorstellen können, Stadtteil-Papas zu werden. Meldet euch einfach, eure Perspektive wird gebraucht! Bei unserem Besuch fühlten wir uns sofort wie Teil einer großen Familie: Die Atmosphäre ist warm und freundschaftlich, alles läuft locker-nahbar ab, man spürt echte Empathie und Freude am Miteinander – total einladend und motivierend! Wer mitmachen möchte, findet hier nicht nur Hilfe, sondern echten Zusammenhalt, der Ludwigshafen für alle bereichert. Mehr Informationen zum Projekt sowie Kontaktdaten findet man auf der Website des Projekts.
Text: Andy Heinrich, Bilder: Murat Bilir
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.
Text: Andy Heinrich
Bilder: Murat Bilir
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.
