Noch nicht – Utopie im Entstehen

Ludwigshafen – eine Stadt aus Beton, industriellen Linien und der klaren Sprache der Nachkriegsmoderne – befindet sich im permanenten Übergang.

Ihre von gesellschaftlichem Aufbruchsgeist geprägte Architektur der 1950er- und 60er-Jahre wirkt heute wie ein offenes Archiv: monumental, widersprüchlich und zukunftssuchend. Genau in diesem Spannungsfeld verortet sich das Projekt Noch nicht: Utopie im Entstehen.

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Bürgermeister-Ludwig-Reichert-Hauses, das sich aktuell in einer umfassenden Transformation befindet, befragt das Programm die urbane Identität und Modernität der Stadt. Das Projekt beschränkt sich dabei nicht auf einen einzelnen Ort: Im Rahmen des Programms sind mehrere künstlerische Installationen und Interventionen als Kunst im öffentlichen Raum über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Ausgehend vom Kunstverein spannt das Projekt ein räumliches und thematisches Dreieck zum Hauptbahnhof und dem Rathaus auf. Die Stadt selbst wird so zum poetischen Labor und zur Denkfigur, in der Kunst den öffentlichen Raum nicht bloß dekoriert, sondern aktiviert und neue Formen des Zusammenlebens zur Diskussion stellt.

Katinka Eichhorn 
Bismarckstraße / Ecke Schulstraße / Fahnenrondell / bis 30. September

Katinka Eichhorn schafft Objekte aus Textil, in denen Zeichnungen eine zentrale Rolle spielen. Für die Bismarckstraße entwickelt Eichhorn eine großformatige Neuproduktion, eigens für die vorhandenen Fahnenmasten und Schaukästen im Herzen der Straße konzipiert. Ihre textilen Arbeiten reagieren auf die Materialität der Innenstadt: auf die Fliesenfassaden, die gedämpfte Farbigkeit und die horizontale Strenge der Nachkriegsarchitektur.

Maria Mayland
Kiosk / Hafenstraße 2, Parkinsel / bis 26. Juli / Sa-So 11-17 Uhr und auf Anfrage

Maylands Filmarbeit — A Wideness, Opening and Closing, zeigt häusliche Räume in 16mm-Vignetten – nützliche und sentimentale Objekte, praktische und dekorative Ecken, vereint in jener heterogenen Harmonie bewohnter Orte. Auf der Tonebene entfaltet sich ein Gespräch mit Maxi Wallenhorst und Kuku Schrapnell über queere Geschichtsschreibung, politische Ängste, Ästhetik und Inkohärenz.

haru apa nyx / Parkinsel / bis 26. Juli

Haru Apa Nyx zeigt auf der Parkinsel – Ludwigshafens grünem Stadtteil, einem schmalen Streifen zwischen Rhein und Stadt – eine großformatige Fahne. Die Arbeit zeigt eine weibliche Figur in der Natur: eine Bildtradition, die von der Antike bis zur Romantik reicht und in der die Frau als Teil der Natur, als Allegorie, als Ideal erscheint. Was als klassisches Motiv beginnt, löst sich in Flächen, Linien und Farbe auf – und stellt damit die Frage, welche Bilder von Weiblichkeit und Natur wir mit uns tragen, und welche wir neu erfinden müssen.

Noah Fischer / Innenstadt / bis 30. September

24 Fragen an die Stadtbevölkerung sind im öffentlichen Raum sichtbar: auf Litfaßsäulen entlang der Bismarckstraße, als Plakate in der Innenstadt und als großformatige Banner an markanten Gebäuden. Die Fragen sind offen formuliert: Was liebst du an Ludwigshafen? — Wofür sollte Ludwigshafen mutiger sein? — Was möchtest du kommenden Generationen hinterlassen? — Die Zukunft von Ludwigshafen beginnt, wenn …

Das Projekt basiert auf New York 2044 des New Yorker Künstlers Noah Fischer und wird erstmals in Deutschland realisiert. Die Antworten fließen in ein mehrsprachiges Flugblatt ein: MACHEN SIE MIT!

Plakatsammlung Seefelder / Rhein-Galerie, Im Zollhof 4 / bis 30. September Mo-Sa 10-20 Uhr

Im Rahmen des Jahresprogramms 2026 Noch Nicht: Utopie im Entstehen kehren ausgewählte historische Plakate aus den 1950- und 1960er-Jahren der Sammlung Seefelder in den öffentlichen Raum zurück:

Im Jahr 1983 übergab Prof. Dr. Matthias Seefelder dem Kunstverein Ludwigshafen eine außergewöhnliche Schenkung: eine über Jahrzehnte und aus aller Welt zusammengetragene Sammlung zeitgenössischer künstlerischer Plakate. In den folgenden Jahren erweiterte er den Bestand durch zahlreiche weitere Ankäufe stetig, sodass der Kunstverein heute mehr als 8.000 Exponate verwahrt.

Die Plakate spiegeln die gesellschaftspolitischen Kontexte wider, in denen sie entstanden sind – von den künstlerischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts bis hin zu den sozialen und kulturellen Umbrüchen, die das Plakatschaffen weltweit geprägt haben. In ihrer Bandbreite an Herkunftsländern, Stilen und Themen eröffnen sie ein lebendiges und vielstimmiges Bild einer Epoche. Weitere Informationen zur Sammlung

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