BLIES Festival 2026 – Wir reden mit den neuen Veranstaltern
BLIES Festival 2026 – Wir reden mit den neuen Veranstaltern
TILT Events übernimmt das Ruder am Blies-See
Das Blies Festival hat sich in den letzten Jahren zu einem festen Anker in der Ludwigshafener Festivalszene entwickelt. Mit dem Übergang der Organisation an TILT Events beginnt nun ein neues Kapitel. Wir haben mit dem Team über Herkunft, Haltung und ihre Pläne für 2026 gesprochen.
TILT Events steht in der Region für eine ganz eigene Veranstaltungsphilosophie. Stellt euch doch kurz vor: Wer bildet das Kernteam und was verbindet euch persönlich mit dem Blies-Projekt?
TILT gibt es jetzt im zwölften Jahr. Gegründet hat es Patrick Hoffmann – angefangen hat das Ganze damals fast nebenbei, aus dem Studium heraus. Patrick und ich, Sebastian, kennen uns aber schon aus deutlich früheren Zeiten: Damals, als ich in meiner Event-Ausbildung war, haben wir gemeinsam Flyer für Events verteilt. Patrick hat TILT dann über die Jahre alleine aufgebaut, und gemeinsam haben wir Events in den Clubs durchgeführt, die ich im Marketing betreut habe. Unsere Wege haben sich also immer wieder gekreuzt – und seit letztem Jahr sind wir ein festes Team. Für die Produktion ist Niklas an Bord, der den Aufbau und alles auf dem Gelände verantwortet. Niklas und ich haben sogar jahrelang zusammengewohnt und gemeinsam Clubs in der Region erfolgreich gemacht – ein echtes Winning Team.
Unsere Veranstaltungsphilosophie ist eigentlich ganz simpel: gute Musik an besonderen Orten. Wenig Show, keine Effekthascherei – bei uns ist die Location der Hero. Die Musik muss funktionieren, der Rest ordnet sich unter. Wir wollen keine durchchoreografierte Inszenierung, sondern eine richtig gute Party feiern.
Und genau da kommt das Blies ins Spiel: Wir durften schon viele besondere Orte bespielen – Weingüter, Flughäfen, Warehouses. Aber der Traum von einem Konzept direkt am See, so zentral gelegen, der war immer da. Dass uns die Projektgruppe Blies dann gefragt hat, ob wir das Ganze übernehmen wollen, kam für uns fast wie gerufen.
Das Blies Festival hat sich einen Ruf für eine mutige, kuratorische Handschrift erarbeitet – Raum für UK Garage, experimentelle elektronische Musik und Live-Acts mit Charakter. Wie wollt ihr diesen Anspruch unter der neuen Flagge von TILT Events weiterführen?
Wir lieben das, was die Projektgruppe Blies vorher gebookt hat – und wir wollen daran ganz bewusst anschließen. Was wir machen, ist ein leichter Spin in Richtung TILT-Sound: housig, klubbig, sehr von der internationalen Clubszene inspiriert und weniger von den klassischen Festival-Line-ups. Diese clubige Atmosphäre ist uns wichtig – das Gefühl, dass man eigentlich in einem richtig guten Club steht, nur eben open air am See.
Beim experimentellen Sound sind wir etwas zurückhaltender als früher, einfach weil bei uns die Party im Vordergrund steht. Das Line-up für 2026 steht bereits – es ist housig, groovy und hat einen klaren London-Berlin-Ibiza-Einschlag. Live-Acts präsentieren wir diesmal bewusst nicht, sondern bleiben komplett bei DJs.
Wie geht ihr bei der Auswahl der Artists vor? Sucht ihr den „sicheren“ Weg mit etablierten Namen oder wollt ihr ein Sprungbrett für aufstrebende Acts sein, die den Sound von morgen definieren?
Unser Programm baut immer auf einer musikalischen Säule auf: Wir versuchen, pro Bühne eine echte Dramaturgie hinzubekommen – einen Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende der Veranstaltung. Das diktiert schon sehr stark, wie und wen wir überhaupt buchen. Es geht uns also nie nur um den großen Namen, sondern darum, wie ein Act in diesen Bogen passt.
Dabei ist es uns wichtig, immer auch lokale und regionale Talente einzubinden und nicht ausschließlich internationale Headliner zu präsentieren. Und ehrlich gesagt hatten wir als TILT oft den richtigen Riecher: Acts wie Chris Stussy haben bei uns gespielt, bevor sie ihren großen Durchbruch hatten. Wir klopfen jedes Jahr an, ob die Lust hätten, noch mal zu kommen – aber meistens passt das budgetär dann nicht mehr zu der Art von Veranstaltung, die wir machen.
Das Blies ist ja nicht unser erstes Festivalprojekt. Wir hatten lange ein Event am Flughafen Speyer, wo wir ebenfalls viele Artists präsentiert haben. Im Kern buchen wir das, woran wir selbst glauben – Patrick hat ein sehr gutes Gespür für genau diesen Sound, und damit sind wir eben oft ahead of the curve.
Das Festival war immer ein Ort für den Austausch unterschiedlicher elektronischer Subgenres. Bleibt ihr dieser Linie treu oder wird es eine inhaltliche Neuausrichtung geben?
Unsere wichtigste Regel ist ganz einfach: Es muss tanzbar sein. Das ist das absolut Entscheidende. Und das ist eigentlich auch die einzige echte „Neuausrichtung“ – dass wir uns beim Sound klar dem House-Gedanken verschreiben. Wir sind dabei aber keine Genre-Puristen und schließen nichts grundsätzlich aus.
Was uns viel wichtiger ist: Wir buchen DJs, die ein Gespür für die Situation haben – die den Moment lesen können. Was ist gerade gefragt? Softer, härter, ein bisschen verspulter? Wie steht die Sonne, wie ist das Wetter, wie geladen ist die Crowd, wie spät ist es? Da spielt so unglaublich viel rein. Deshalb buchen wir Leute, die mit dem Moment mitgehen.
So entfalten sich die Genres dann ganz von selbst über den Abend. Musikalisch kann man bei uns fast alles hören – aber am Ende des Tages geht es immer back to four to the floor.
Das Blies ist für seinen besonderen Vibe bekannt – eine Mischung aus Freiheit, elektronischer Musik und dem direkten Naturerlebnis am See. Wie fühlt es sich an, dieses „Erbe“ zu übernehmen? Was ist das Herzstück, das ihr unbedingt bewahren wollt?
Die Location ist einfach der absolute Wahnsinn. So einen schönen Ort, so zentral gelegen, bespielen zu dürfen – das ist für uns ein echter Traum. Normalerweise produzieren wir an starken Off-Locations, wo es oft richtig schwierig ist, überhaupt hinzukommen. Hier hast du das Gegenteil: mitten im Grünen stehen, diese riesige Wiese, und trotzdem bist du nah dran an der Stadt.
Man muss sich das vorstellen: Die Venue ist durch ein kleines Waldstück in zwei Hälften geteilt – damit kann man wunderbar spielen und zwei verschiedene Sound-Welten schaffen.
Dazu die Nähe zum See, der Blick auf den Funkturm. Es ist diese coole Mischung: Du kommst aus dem urbanen Ludwigshafen und stehst plötzlich im Grünen. Genau dieses Konzept – ein urbanes, elektronisches Musikfestival in Ludwigshafen – reizt uns enorm. Wir wollen, dass die Leute einen ganzen Tag mit uns dort verbringen.
Ehrlich gesagt ist es die größte Veranstaltung, die wir dieses Jahr machen – die größte Kapazität, die wir in der gesamten TILT-Geschichte je angefasst haben. Wir haben großen Respekt davor, aber wir sind auch unfassbar motiviert, da abzuliefern.
Wo werdet ihr eure eigene Handschrift hinterlassen – und wo wird das Publikum klar sagen: „Das ist noch immer das Blies, wie wir es lieben“?
Bei Veranstaltungen gibt es einen Faktor, der oft unterschätzt wird – und da bringen wir einiges an Erfahrung mit: Patrick macht das seit zwölf Jahren, ich seit über sechzehn. Ich bin gelernter Veranstaltungskaufmann und habe in meinem früheren Job unzählige Festivaltickets über den Tisch gehen sehen – da bekommt man irgendwann ein ziemlich gutes Gefühl dafür, was Leute auf einer Veranstaltung wirklich glücklich macht. Eine Sache habe ich auf all diesen Veranstaltungen gelernt – und wir gehen ja auch selbst gerne weg: Niemand will lange auf seinen Drink warten. Niemand will ewig am Klo anstehen.
Deshalb investieren wir genau dort, wo das Erlebnis wirklich entsteht: in die Versorgung und in guten Sound. Bei uns gibt es keinen Feenwald und keine Pyrotechnik. Unsere Handschrift ist eher dezent und strukturiert – und wir bleiben bei Preisen und Abläufen immer fair zu unseren Besucherinnen und Besuchern.
Wer das Blies vorher geliebt hat, wird es auch weiter lieben. Gleichzeitig hoffen wir, eine neue Zielgruppe zu öffnen – Leute, die sich über den fairen Eintrittspreis vielleicht ihr allererstes Festival in der Region anschauen.
Wie wollt ihr die lokale Vernetzung in Ludwigshafen – auch über die elektronische Musikszene hinaus – weiter stärken?
Wir sind gerade aktiv dabei, unsere Fühler in die Stadt auszustrecken, und wollen die Perspektiven mit vielen unserer Partner über die nächste Zeit deutlich vertiefen. Wir denken hier langfristig – wir haben einen Fünfjahresplan und möchten Schritt für Schritt immer mehr lokale Kulturschaffende einbinden.
Für den Anfang sind zum Beispiel schon viele Winzer aus der Region dabei, und wir arbeiten bewusst mit lokalem Personal. Aber das ist erst der Anfang – wir wollen hier in den kommenden Jahren noch viel tiefer reingehen.
Ein Festival zu planen ist immer eine große logistische Aufgabe. Was war für euch bei der diesjährigen Planung die bisher größte Herausforderung, auf die ihr vielleicht nicht vorbereitet wart?
Die größte Herausforderung war ehrlich gesagt, dass wir die Entscheidung, das Projekt zu übernehmen, so kurzfristig getroffen haben. Umso schöner ist, dass uns das Feedback bisher positiv überrascht – es sind schon richtig viele Tickets weg.
Wenn man ein Festival in dieser Größe zum ersten Mal macht, gibt es natürlich Stolpersteine. Wir sind jetzt acht Wochen vor der Veranstaltung – frag mich in vier Wochen noch mal, dann kann ich dir ganz genau sagen, was alles passiert ist (lacht). Im Moment läuft es gut, und wir haben starke Partner an unserer Seite.
Ein echtes Thema ist aber: Wenn man spät dran ist, sind im Festivalsommer viele Headliner schon vergeben. Wir sind trotzdem sehr glücklich mit dem Programm, das wir zusammenbekommen haben – aber es war deutlich mehr Aufwand, das Line-up so hinzubekommen, dass es unserem musikalischen Anspruch wirklich gerecht wird.
Wenn wir am Abend des Festivals am See stehen: Welcher Moment wäre für euch das Zeichen, dass ihr angekommen seid und die Mission „Blies 2026“ ein Erfolg ist?
Ein ganz großer Erfolg wäre für uns, wenn beide Bühnen voll sind, die Stimmung ausgelassen ist – und die Leute sich am Ende des Abends schon auf die Ausgabe 2027 freuen. Unsere Motivation ziehen wir eigentlich immer aus dem Feedback: von den Gästen genauso wie von den Artists, die bei uns spielen.
Genau das würde uns enorm viel Rückenwind für 2027 geben. Denn wir wollen uns mit dem Projekt langfristig etablieren und keine Eintagsfliege sein. Wir jagen nicht dem nächsten großen Namen hinterher, sondern wollen den Leuten kontinuierlich zeigen: Hey, bei uns habt ihr eine richtig gute Zeit. Und wenn genau dieses Signal zurückkommt, dann haben wir unsere Mission erfüllt.
Gibt es etwas, das ihr den treuen Fans, die seit Tag eins dabei sind, mit auf den Weg geben möchtet?
Wir haben treue Fans wirklich seit Tag eins – und auch viele Acts, die seit über zehn Jahren für uns spielen. Es ist einfach verrückt, was für einen Weg wir gemeinsam gegangen sind: von kleinen Partys auf Weingütern mit 200 Leuten hin zu einer Venue wie dem Blies-See, wo wir jetzt mit rund 4.500 Feierbegeisterten einen großartigen Tag verbringen werden. Das fühlt sich für uns immer noch ein bisschen surreal an – und genau dafür sind wir unendlich dankbar.
Text: Andy Heinrich, Bilder: @mo_kashani & Blies Festival
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.
Text: Andy Heinrich, Bilder: @mo_kashani & Blies Festival
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.
