Wald- und Wiesenfreunde e.V. – die Macher aus Maudach
Wald- und Wiesenfreunde e.V. – die Macher aus Maudach
Der Verein Wald- und Wiesenfreunde e.V. ist ein Maudacher Allround-Macherverein, der konsequent in keine Schublade passen will und genau daraus seine besondere Stärke zieht. Entstanden aus einer spontanen Idee, ist ein lebendiges Netzwerk geworden, das zeigt, was möglich ist, wenn Menschen nicht „man müsste mal“, sondern „wir machen jetzt“ sagen. Als erstes Projekt im Rahmen unserer Aktion „Euer Engagement mit WOW-Faktor“ haben wir die Wald- und Wiesenfreunde e.V. beim 12. Maudacher Winterzauber besucht. Am Sonntag, den 07.12.2026, haben wir uns dort mit Oliver Mark, dem ersten Vorsitzenden des Vereins, getroffen, um mehr über den Winterzauber, seine Entstehung und den Menschen hinter der Idee zu erfahren.
Ein Verein, der nicht in Schubladen passt
Gegründet wurde der Verein 2010, weil eine lose Gruppe vereinserfahrener Menschen ein großes Biker-Treffen mit rund 800 Gästen nicht nur stemmen, sondern strukturiert organisieren wollte. Aus dem Wunsch heraus, sich nicht auf eine Monokultur wie nur Fastnacht oder nur Sport festzulegen, entstand ein Verein, der offen für alles ist, worauf die Mitglieder Lust haben. Der Name „Wald- und Wiesenfreunde“ war ursprünglich ein spontaner Scherz – ein „irgendein Wald- und Wiesennamen reicht doch“ – und passt heute perfekt, weil viele Aktivitäten tatsächlich in Wald und Wiese stattfinden. Was als Einzelprojekt begann, ist heute ein Verein mit aktuell acht Abteilungen, die aus Ideen der Mitglieder heraus wachsen: von Mittelaltergruppe, Fanclub für die Adler Mannheim, Badminton und Hula-Hoop über Schautanz, Koch- und Bastelgruppen bis hin zu Wander- und Spielegruppen. Wo jemand sagt „Wir könnten doch mal…“, versucht der Verein Rahmenbedingungen wie Räume, Hallen oder Ausstattung zu schaffen. Setzt sich eine Idee durch, wird eine feste Abteilung daraus, wenn nicht, darf sie auch wieder verschwinden. Auch digitale Formate gehören dazu: Es gibt sowohl ein Brettspieltreffen vor Ort als auch eine Online-Spielgruppe mit eigenem Discord-Server.
Die Wald- und Wiesenfreunde verstehen sich als Verein von Machenden, die Verantwortung übernehmen wollen. Statt in Schockstarre zu verfallen, haben sie während der Corona-Zeit virtuelle Trainings, digitales Lagerfeuer, Bastelaktionen mit vorbereiteten Materialtütchen und andere Angebote umgesetzt – in dieser Phase ist der Verein sogar gewachsen, während andere Mitglieder verloren. Dahinter steht eine Grundhaltung: Probleme gelten nicht als Hindernisse, sondern als Anlass, Lösungen zu finden.
Inklusiv, barrierefrei und offen für alle
Der Verein achtet ausdrücklich darauf, Angebote so barrierefrei, integrativ und inklusiv wie möglich zu gestalten – von Kinderwagen bis Rollstuhl. Wanderstrecken, Veranstaltungsorte oder Vereinswochenenden werden bewusst so gewählt, dass niemand wegen baulicher Hürden ausgeschlossen wird. Altersgrenzen spielen keine Rolle: Vom Kind bis zum Senior spielen, tanzen, basteln und feiern alle gemeinsam, jeder so alt, wie er sich fühlt. Ein Zuhause hat der Verein unter anderem im Maudacher Schloss gefunden, wo er gemeinsam mit anderen Vereinen die vorhandenen Räume nutzt. Der von den Wald- und Wiesenfreunde genutzte Raum wurde von einem mittlerweile aufgelösten Gesangsverein übernommen, der unter Mitgliederschwund litt – und steht nun den Wald- und Wiesenfreunden als Vereinsheim zur Verfügung. Gleichzeitig kooperiert der Verein eng mit anderen Vereinen, Organisationen und Initiativen: Material, Unterstützung oder Manpower werden selbstverständlich geteilt. Ein Beispiel ist der „Weihnachtsblues“, eine gemeinsame Jahresabschlussveranstaltung am letzten Mittwoch vor Weihnachten, die Raum zum Durchatmen im Feiertagsstress bietet. Bei Kaffee und Kuchen, Süßem und Salzigem, Glühwein, Kakao, belegten Brötchen und kleinen Mitmachangeboten kommen Menschen generationenübergreifend zusammen. Die Veranstaltung wird ausschließlich auf Spendenbasis durchgeführt, um bewusst auf feste Eintrittspreise zu verzichten und ein niederschwelliges, inklusives und integratives Angebot für alle zu schaffen – unabhängig von der finanziellen Situation. Getragen von mehreren örtlichen Vereinen wird der Weihnachtsblues gemeinschaftlich organisiert und versteht sich als offener Begegnungsort für die gesamte Stadtgesellschaft.
Engagement für Umwelt und Bildung
Aus der Sorge um die bedrohte Insektenwelt entstand die Idee für Insektenhotels in Maudach, von denen inzwischen vier Stück gebaut wurden, eines davon auf dem Gelände der Alfred-Delp-Grundschule. Dort haben die Wald- und Wiesenfreunde nicht nur ein Insektenhotel, sondern gemeinsam mit Sponsoren, Werkstätten und der Schule auch ein „grünes Klassenzimmer“ mit Bänken, Tischen und Tafel für Unterricht im Freien realisiert. Solche Projekte stehen exemplarisch für den Ansatz, das Engagement des Vereins in die Nachbarschaft zurückzugeben und die Lebensqualität im Stadtteil sichtbar zu verbessern.
Repräsentant für Ludwigshafen
Durch ihr verlässliches Engagement ist der Verein zu einem gefragten Partner der Stadt geworden. So beteiligt er sich seit 2019 auf Anfrage der LUKOM an der Übernahme offizieller Delegationen beim Rheinland-Pfalz-Tag und vertritt seitdem regelmäßig die Stadt Ludwigshafen und den Ortsteil Maudach bei dieser landesweiten Veranstaltung – ebenso wie bei Begegnungen in der Partnerstadt Dessau. . Diese Kooperationen funktionieren als Geben und Nehmen: Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, findet auf der anderen Seite auch Türen, die sich öffnen.
Vereins-Highlights: Bruchfest, Winterzauber & mehr
Das Bruchfest ist in Maudach eine feste Institution: Von Anfang Mai bis Mitte September bewirtschaften Vereine an den Wochenenden das Gelände. Auch die Wald- und Wiesenfreunde sind regelmäßig dabei und sorgen laut Gästebuch und Besucherresonanz mit liebevoller, handgemachter Dekoration, kreativen Ideen und einer abwechslungsreichen, preislich moderaten Speisekarte für besondere Akzente in der Saison. Im Jubiläumsjahr 2025 erhielt dieses Engagement eine besondere Ausprägung: Zum 15-jährigen Bestehen richtete der Verein an Pfingsten ein dreitägiges mittelalterliches Bruchfest aus – ein lang geplantes Vorhaben, das ursprünglich bereits zum Zehnjährigen stattfinden sollte. Mit Live-Musik, Gauklern, Feuershow, Handwerksdarstellungen und orientalischem Tanz wurden die Gäste ins Mittelalter entführt. Einblicke in das Lagerleben bot die vereinseigene spätmittelalterliche Gruppe „Franka Farula Kaupo“, die seit 2014 auf Märkten aktiv ist und historische Alltagskultur reisender Handelsleute erlebbar macht.
Der „Winterzauber“ ist eines der Herzstücke des Vereinsjahres und fand 2025 bereits zum zwölften Mal statt – inklusive zweier virtueller Ausgaben in den Corona-Jahren. Auslöser war die Frage, warum Maudach in der Adventszeit kein eigenes Angebot hat; als die Stadt signalisiert hat, dass Ortsteile keinen klassischen Weihnachtsmarkt ausrichten, entstand kurzerhand der Winterzauber als eigenes Format. Beim Winterzauber treffen Hobbykünstler:innen, Bastelgruppen, Werkstätten und nicht-kommerzielle Anbieter aufeinander, bewusst ohne reine Verkaufsprofis.
Das Programm reicht von Auftritten befreundeter Vereine und der eigenen Tanz- oder Mittelaltergruppen bis hin zu Feuershows und Kinderangeboten, gerahmt von Buden, die der Verein gemeinsam mit BASF-Mitarbeitenden und gesponsertem Material selbst gebaut hat. Die Buden sind modular, transportabel und werden dort eingesetzt, wo der Verein sie braucht – früher am Julius-Hetterich-Saal, 2025 auf dem Bruchfest und nun auch zur Premiere des Winterzaubers an der Bruchfesthalle im Maudacher Bruch. Vom Essens- und Getränkeangebot über Deko und Beleuchtung bis zu Informationen und Bewerbung sollen die Feste und Veranstaltungen so sein, wie das Team es sich als Besucher selbst wünschen würde.
Die Preise werden – wie beim Bruchfest – bewusst moderat gehalten; eine Schorle kostet beispielsweise 4 Euro. Mögliche Überschüsse fließen vollständig zurück in die Vereinsarbeit – in Räume, Ausstattung, Projekte und in gemeinschaftliche Anschaffungen für die rund 180 durchweg aktiven Mitglieder, vom Vereinsgeschirr bis zur Thermosflasche. Während der Veranstaltung essen und trinken die Helfer:innen kostenfrei – Ausdruck einer gewachsenen Vertrauens- und Anerkennungskultur innerhalb des Vereins.
Vereinsleben mit Wertschätzung
Im Verein hat jede Person ihre Aufgabe – vom Vorstand über Küchen- und Getränketeams bis zu Abteilungsleitungen – und niemand soll an einem Posten „kleben“. Oliver ist seit der Gründung erster Vorsitzender, betont aber immer wieder, dass Verantwortung im Verein weitergegeben werden kann, sobald jemand Neues Lust hat, Ideen einzubringen oder Projekte auszuprobieren. Diese Haltung spiegelt das Leitbild des Vereins wider: Engagement soll jedem offenstehen, unabhängig von Alter, Erfahrung oder Zugehörigkeit zu einer Abteilung, und in einem Rahmen stattfinden, der sowohl Unterstützung bietet als auch Freiraum lässt. Wertschätzung zeigt sich deshalb nicht nur in formellen Strukturen, sondern im Alltag: bei gemeinsamen Aktionen, kleinen Aufmerksamkeiten, den einheitlichen grünen Nikolausmützen mit Logo beim Winterzauber und vor allem im Gefühl, Teil von etwas zu sein, das größer ist als jede einzelne Gruppe. So wird sichtbar, dass der Verein nicht nur ein organisatorischer Rahmen ist, sondern ein Ort, an dem Menschen ihre Fähigkeiten einbringen, miteinander lernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen können – vertrauensvoll, respektvoll und mit Freude am Tun.
Die Wald- und Wiesenfreunde e.V. sind ein leuchtendes Beispiel dafür, wie ein Verein Maudach und ganz Ludwigshafen bereichert: durch Mut zu Ideen, Inklusion für alle und eine unerschütterliche Macher-Mentalität, die die kulturelle Vielfalt der Stadt stärkt. Wenn du mehr über den Verein erfahren möchtest, sieh dir gerne seine Website, seinen Facebook– oder Instagram-Kanal an.
Text: Andy Heinrich, Bilder: Murat Bilir
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.
Text: Andy Heinrich
Bilder: Murat Bilir
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.


















