Faszination, Haltung und neues Erleben: Die Festspiele Ludwigshafen 2026
Faszination, Haltung und neues Erleben: Die Festspiele Ludwigshafen 2026
Herbstzeit ist Festspielzeit auf den Pfalzbau Bühnen. Wenn sich vom 2. Oktober bis zum 20. Dezember 2026 der Vorhang im Pfalzbau öffnet, erwartet das Publikum ein herausragendes Programm, das Gegensätze vereint: große Tanzkompanien aus aller Welt, scharfzüngiges, hochkarätiges Schauspiel, profilierte Lesungen und Diskursreihen sowie ein lebendiges nächtliches Rahmenprogramm. Dazu kommt hinter den Kulissen ein echter Digitalisierungssprung, der den Theaterbesuch von der Buchung an grundlegend vereinfacht.
Intendant Tilman Gersch bringt die Philosophie der kommenden Spielzeit auf den Punkt: „Wir wollen Vielfalt ohne Beliebigkeit bieten. Es geht uns immer um die Verbindung von hoher ästhetischer Qualität und gesellschaftlicher Zeitreflexion.“
Großes Theater im Gotteshaus: Bürgerbühne eröffnet mit „Der Drache“
Traditionell starten die Festspiele mit einem starken lokalen Zeichen. Intendant Tilman Gersch inszeniert mit dem Ensemble der Pfalzbau Bürgerbühne Jewgeni Schwarz’ satirisches Märchen Der Drache. Für das Stück über Autorität, Unterwerfung und die oft mühsame Befreiung des Geistes wählt die Produktion einen besonderen Rahmen: Die Aufführungen finden in der stimmungsvollen Atmosphäre der Melanchthonkirche Ludwigshafen statt.
Auf die Plätze, fertig, Tixly: Das neue Ticket-Zeitalter
Wer sich Karten für die Festspiel-Highlights sichern möchte, bemerkt die wohl einschneidendste Neuerung der Saison bereits vor dem Vorstellungsbesuch: Die Pfalzbau Bühnen haben ihr gesamtes Kartenvertriebssystem auf den modernen Anbieter Tixly umgestellt. Der Ticketkauf wird dadurch spürbar flexibler. Erstmals ist der Ticketshop vollständig direkt in die Website des Theaters integriert. Besucherinnen und Besucher können über ein persönliches Kundenkonto nicht nur Eintrittskarten erwerben, sondern auch Abonnements, Vorstellungsreihen und die Theatercard komplett online verwalten. Sogar der Platztausch innerhalb einer Produktion oder das Einlösen von Gutscheinen ist nun digital möglich. Abgerundet wird das neue System durch moderne Bezahlwege wie PayPal sowie die innovative „Paylink“-Funktion für telefonische und schriftliche Bestellungen.
Schauspiel-Höhepunkte: Von Pollesch bis Jelineks Königinnen
Das Schauspielprogramm überzeugt dieses Jahr mit bemerkenswerter Dichte und radikalen Entwürfen. Ein besonderer Blickfang ist die Eigenproduktion der Pfalzbau Bühnen: Elfriede Jelineks Prinzessinnendramen (Der Tod und das Mädchen I – V) (Premiere: 30.10. – 01.11.26). In der Inszenierung übernimmt die Ausnahmeschauspielerin Josephine Thiesen eine zentrale Rolle. Thiesen, deren steile Karriere sie nach eindrucksvollen Theaterarbeiten bereits auf internationales Terrain führte – unter anderem bis hin zu einem Hollywood-Filmprojekt an der Seite von Colin Firth –, stellt hier einmal mehr ihre enorme darstellerische Wucht unter Beweis.
Ein weiteres Schauspiel-Schwergewicht bringt die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin am 16. und 17. Oktober nach Ludwigshafen: René Polleschs Werk Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien), das den Diskurs über Raum, Wert und Existenz gewohnt scharfsinning zerlegt.
Eingerahmt werden diese Produktionen von der Werkschau des Berliner Ensembles mit Barrie Koskys K. (8./9.11.), Oliver Reeses De Profundis mit Jens Harzer (14.11.) sowie Max Hopps Der Hauptmann von Köpenick (5./6.12.).
Weitere hochkarätige Akzente im Tanzprogramm setzen Mourad Merzouki und die französische Compagnie Käfig, die am 22. Oktober mit Beauséjour einen faszinierenden Mix aus zeitgenössischem Tanz und Hip-Hop-Triebkraft auf die Bühne bringen. Am 12. November folgt die Danza Contemporánea de Cuba mit der Weltpremiere von The Rain Maiden, einer kraftvollen Tanzadaptation nach Theodor Storms Die Regentrude. Eine minimalistische und tiefgründige Choreografie über Räume und Elemente präsentiert Radouan Mriziga am 2. Dezember mit seiner marokkanisch-belgischen Produktion Magec / The Desert. Den triumphalen Schlusspunkt des Tanzprogramms setzt schließlich vom 18. bis 20. Dezember das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch mit dem legendären Kult-Stück Vollmond.
Neben dem Bühnengeschehen umfasst das Festspielprogramm eine Reihe von Lesungen und Diskursveranstaltungen im Pfalzbau. So liest Katharina Thalbach am 18. Oktober aus Günter Grass’ Die Blechtrommel, während Marie Bäumer am 28. November aus dem Roman Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe vorträgt. Ergänzt wird die Reihe durch Vorträge und Gespräche zu gesellschaftlichen Themen: Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer spricht am 29. November zum Thema „Wer sind wir?“, gefolgt von der Publizistin Carolin Emcke am 6. Dezember mit ihrer Aufführung „Was zählt ein Mensch?“.
Nachtkultur: After-Show-Konzerte und stilvolle Lounges
Ein Festspielbesuch endet 2026 nicht mit dem letzten Applaus. Ein eigenes, vielseitiges Rahmenprogramm verwandelt das Foyer nach den Aufführungen in einen Treffpunkt für Künstler und Publikum.
Direkt im Anschluss an ausgewählte Vorstellungen laden After-Show-Konzerte und Themen-Lounges zum Verweilen ein: Von energiegeladenen Gigs mit Bands wie Von Flocken (09./10.10.) oder Cosmica Bandida (16./17.10.) über stimmungsvolle DJ-Formate wie die OhOhOh-Lounge (30./31.10.) und die elegante Duke Ellington-Lounge (14.11.) bis hin zu den feurig-melancholischen Klängen der Gardel-Tango-Lounge (02.12. & 20.12.) oder der Bläserenergie der Express Brass Band (18./19.12.).
Die Festspiele Ludwigshafen 2026 bieten somit weit mehr als exzellentes Theater – sie schaffen einen lebendigen Kulturraum, der Tage und Nächte miteinander verbindet.
Text: Andy Heinrich, Bilder: Im Dateinamen enthalten
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.
Text: Andy Heinrich, Bilder: Im Dateinamen enthalten
Andy ist echter Ludwigshafener. Er weiß welche Treppe in der Innenstadt wie viele Stufen hat. Außerdem findet er, Ludwigshafen kann was. Deshalb möchte er zeigen, was seine Heimatstadt zu bieten hat. Er betreibt er mit seinen Kolleg*innen das WOW Magazin und initiiert eine Vielzahl von Kulturprojekten.
